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Museen in Grabenstätt

Römermuseum Grabenstätt

Von der Steinzeit auf der Krautinsel, über die bronzezeitlichen Funde im Achental, bis zu keltischen Grabhügelfeldern und Siedlungen: der Chiemgau ist seit „Menschengedenken“ ein bevorzugter Siedlungsraum. Zahlreiche archäologische Fundstellen legen davon Zeugnis ab. Um Christi Geburt wurde der Chiemgau Teil der römischen Provinz NORICUM und verwaltungstechnisch der Stadt IUVAVUM/Salzburg unterstellt. An den neu ausgebauten (Fern-)Straßen und an den Seen und Flüssen entwickelten sich schnell kleinere Siedlungen. An wichtigen Verkehrsknotenpunkten, wie in BEDAIUM/Seebruck, entstanden Straßendörfer, in denen vor allem Handwerker und Händler ihre Dienste feilboten. Ein engmaschiges Netz aus größeren und kleineren Gutshöfen und Landgütern, die als villae rusticae bekannt sind, stellte die Versorgung der Städte und Siedlungen mit Nahrungsmitteln sicher.

Auf den langgestreckten Hügeln über dem Grabenstätter Ortsteil Erlstätt lag zur Römerzeit das großzügige und luxuriöse Landgut eines hochrangigen, römischen Verwaltungsbeamten. Direkt an der – heute Via Julia genannten – Hauptverkehrsroute von IUVAVUM/Salzburg nach AELIA AUGUSTA/Augsburg konnten bisher zwei Wohngebäude sowie ein Badegebäude (Therme) archäologisch dokumentiert werden. Auf der landschaftlich sehr reizvoll gelegenen Fläche wurde über die Jahre eine Vielzahl an Objekten aufgelesen und von einem Grabenstätter Bürger sorgfältig gesammelt. Seit 2012 wird das stattliche Fundensemble im Römermuseum Grabenstätt dem interessierten Publikum zugänglich gemacht.

Das Spektrum umspannt die komplette Alltagswelt eines römischen Großgutes. Ausgestellt werden Baumaterialien und Werkzeuge, landwirtschaftliche Geräte, Hausrat und Geschirr. Vor allem die beeindruckenden Überreste der luxuriösen Innenausstattung der Wohn- und des Badegebäudes, wie Wandmalerei-Reste und Mosaikböden sind am Chiemsee einzigartig.
Die Rekonstruktion einer Handmühle mit einem Original-Läuferstein bringt Kindern den Alltag am Chiemsee zur Römerzeit durch Ausprobieren anschaulich näher.

Das Römermuseum Grabenstätt wird ehrenamtlich geführt und kann zu den Öffnungszeiten der Tourist Information kostenlos besichtigt werden.

 

Römerregion Chiemsee

Grabenstätt ist Teil der „Römerregion Chiemsee“. 11 Gemeinden rund um den Chiemsee präsentieren gemeinsam ihre römische Vergangenheit – unterhaltsam und nach aktuellem wissenschaftlichem Stand. Durch diese Kooperation werden der außergewöhnliche archäologische Gesamtbestand sowie die Lebensrealität vor 2000 Jahren in der Region sichtbar gemacht.

In Grabenstätt wird die römische Vergangenheit an verschiedenen Stationen im Ort dargestellt.

Die Kinder-Mitmachstation zum Thema „Römische Mosaike“ im Römermuseum in der Schlossökonomie animiert dazu, selbst ein Mosaikbild zu legen.

www.roemerregion-chiemsee.de

An der Johanniskirche im Ortszentrum führt eine Infotafel in die römische Geschichte Grabenstätts ein.
Im Ortsteil Erlstätt lässt ein „Fenster in die Vergangenheit“ das prachtvolle römische Landgut wieder auferstehen.

Autor: Andrea Krammer M.A., Provinzialrömische Archäologie

Der Chiemgau-Impakt

Die Stadt Nördlingen hat ihr Rieskrater-Museum und der Ort Steinheim am Albuch im baden-württembergischen Steinheimer Becken sein Meteorkrater-Museum. Viele Gemeinden werden Grabenstätt um das dritte Krater-Museum in Deutschland beneiden, das – klein aber fein – seit Oktober 2009 in der Schlossökonomie am Rathaus seine Pforten geöffnet hat. Was hat es damit auf sich? Wie ist es dazu gekommen?

Auf Gemarkungsgebiet von Grabenstätt (und dem benachbarten Vachendorf) befindet sich der Tüttensee, als wärmster See Bayerns gepriesen und als beliebter Badesee mit Strandbad und einschlägig bekannten Open-Air-Parties geschätzt.

Für Geologen aus der Gegend ist er nie mehr als einer der vielen Seen gewesen, die sich im Alpenvorland am Ende der letzten Eiszeit vor 10 000 Jahren gebildet haben. Ein Toteisloch soll der See sein, entstanden, als sich das Eis zurückzog und beim Schmelzen zurückbleibender Eisklumpen der Gletscherschutt nachsackte und die Hohlform entstehen ließ.

Mit dieser Erklärung teilt sich der Tüttensee das Schicksal von Nördlinger Ries und Steinheimer Becken, zwei Strukturen, die 100 Jahre lang von allen Geologen als Vulkangebilde angesehen wurden, ehe man Anfang der sechziger Jahre ihrem wahren Ursprung auf die Spur kam. Seitdem ist es unbestritten, dass beide Strukturen Einschlagkrater sind, die bei einer kosmischen Kollision mit Riesenmeteoriten vor etwa 15 Millionen Jahren entstanden. Und für genau eine solche Entstehung des Tüttensees gibt es seit kurzer Zeit ebenfalls handfeste Beweise, die sehr umfangreiche geologische Untersuchungen in mehr als 60 Schürfen am Tüttensee, geophysikalische Messungen auf dem zugefrorenen See und in seiner Umgebung sowie modernste Untersuchungsmethoden der Mineralogie und Geochemie unter Zuhilfenahme der Raster- und Transmissions-Elektronenmikroskopie geliefert haben. Der Tüttensee ist kein eiszeitliches Toteisloch, sondern Teil eines etwas größeren Meteoritenkraters, der sich in einer Zeit weit nach der Eiszeit gebildet hat, als die Gegend bereits von Leuten der Bronzezeit oder Keltenzeit besiedelt war.

Und auch dieses Schicksal teilt sich der Tüttensee mit Ries und Steinheimer Becken: Als amerikanische Geologen für diese beiden Strukturen einen Meteoriten-Impakt als wahrscheinlich wirkliche Entstehungsursache präsentieren, gibt es nahezu einhelligen Protest und strikte Ablehnung unter den einheimischen Geologen. Sollten sie sich 100 Jahre lang mit ihrem Vulkan geirrt haben? Heute ist diese tiefgreifende wissenschaftliche Auseinandersetzung beim Nördlinger Ries Geschichte. Kurioserweise wiederholt sich aber die Geschichte. Sofort ist der Protest da, und die strikte Ablehnung bei lokalen Geologen und einigen anderen Geologen der Region wird formuliert, als sie ihr Toteisloch Tüttensee aufgeben sollen zugunsten einer ganz anderen, einer kosmischen Entstehung durch den Einschlag eines großen Meteoriten, wovon eine Gruppe externer Wissenschaftler aus den verschiedensten Fachgebieten völlig überzeugt ist. Selbst die Argumente von einsichtigeren Forschern, dass die Toteishypothese seit Generationen von Geologen und Geographen nichts anderes als Spekulation ist, ohne je Beweise für Eiszeittätigkeit vorzulegen, lässt die Kritiker nicht verstummen. Auch beim Tüttensee fehlen solche Beweise; nicht einmal Hinweise gibt es abgesehen von dem Umstand, dass der Tüttensee in einer eiszeitlich geprägten Landschaft liegt.

Beim Ries hielt sich der Widerstand einiger Geologen 10 bis 20 Jahre. Wie lange mag es beim Tüttensee-Krater dauern? So spannend die Geschichte für Grabenstätt ist: Dabei fängt alles gar nicht mit dem Tüttensee an. Als Anfang des neuen Millenniums eine Gruppe von erfahrenen Heimatforschern und Amateurarchäologen mit behördlicher Genehmigung Sondierungen im Raum Burghausen-Altötting durchführt, fördern Schürfe nach Reaktionen ihrer Suchgeräte immer wieder rätselhafte metallische Partikel zutage, die ihnen völlig unbekannt sind. Bald stellen sie fest, dass in der Nähe häufig Geländevertiefungen auftreten, die zusammen mit einem Ringwall regelrechte Krater darstellen. Ebenso rätselhaft, finden die Heimatforscher praktisch nie menschliche Hinterlassenschaften oder andere Zeugnisse menschlicher Tätigkeit.

 

Das ist die Geburtsstunde des „bayerischen Meteoritenkraterfeldes“, so auch der Untertitel der Ausstellung im Museum in Grabenstätt. Als sich dann eine Forschergruppe bildet, die die Heimatforscher mit Geowissenschaftlern, Impaktforschern, Astronomen, Geschichtsforschern und Archäologen aus verschiedensten Universitäts- und anderen Instituten vereinigt, wird rasch erkannt, dass sich das Phänomen viel ausgedehnter und spektakulärer darstellt und bis über den Chiemsee hinaus und in die dortigen Voralpenberge dokumentiert werden kann. Einprägsamer wird nunmehr vom Chiemgau-Impakt geredet, und innerhalb der Forschergruppe konzentriert sich das Chiemgau Impact Research Team (CIRT).

 

„Glanzstück“ dieses nunmehr an die 60 km langen und 30 km breiten Meteoritenkraterstreufeldes ist der Tüttensee bei Grabenstätt. Vor allem in seinem Umfeld decken die Forscher die Dokumente dieser kaum vorstellbaren Naturkatastrophe vor 2000 – 3000  Jahren auf. In unzähligen Schürfen bis 3 m tief zeigt sich eine mit Holzkohle durchsetzte Gesteinstrümmerschicht mit fein zersplitterten Baumresten, zerbrochenen Zähnen und Knochen von Hirsch und vermutlich Haustieren Rind und Schaf. Haarbüschel mögen vom Menschen stammen. Schmelzgesteine finden sich, die von höchsten Temperaturen zeugen,  ebenso die Auswirkungen von den extremen beim Einschlag entstandenen Schockdrücken, die ihre unverwechselbaren Spuren in den Gesteinen hinterlassen haben. Vom Menschen stammen in der Trümmerschicht Steinartefakte und Keramikscherben.

Auf die Spurensuche können Sie sich als Besucherinnen und Besucher machen, wenn Sie den Rundwanderweg zum Tüttensee nehmen und dort den kleinen geologischen Lehrpfad zum Impakt-Geschehen einbeziehen. Der See ist nur Teil der insgesamt 600 m messenden Kraterstruktur, ein Maß, das durch den Durchmesser der Wallkrone definiert wird. 8 m hoch ist der Wall  im Mittel; was am Nordrand darüber hinaus geht, ist in der Tat noch ein Relikt aus der Eiszeit, ein Moränenrücken.

 

 Vielleicht gelingt es Ihnen da draußen, sich ein wenig in die Verfassung der damals am Rande des Chiemsees lebenden Menschen hineinzuversetzen, als der Sonnenwagen des griechischen Gottes Helios herabgestürzt und Phaethon mit den Trümmern des Wagens im See versunken sein soll. Aber darüber lesen Sie besser  hier auf der Seite der Museumsposter https://www.chiemgau-impakt.de/museum.html oder beim Besuch im Museum. Öffnungszeiten des Museums siehe Öffnungszeiten Tourist-Information.

 

Vielleicht dehnen Sie Ihre Wanderungen aus und stoßen unvermittelt im Wald auf einen großen Trichter mit einem Ringwall drumherum. Das könnte einer der Krater sein, der beim Einschlag entstand und in dem Sie sich zur Erinnerung fotografieren lassen! Heute denken die Forscher darüber nach, ob wirklich alle der runden Kraterstrukturen und auch dieser hier „von oben“ entstanden sind. Zu diesen Überlegungen kommen sie, nachdem sie das seit Menschengedenken bestehende Rätsel der sogenannten Donnerlöcher im Raum Kienberg nördlich vom Chiemsee gelöst haben. Geologische Ausgrabungen des CIRT haben nachgewiesen, dass sich dort offenbar ein gewaltiger Überdruck im Untergrund als Folge der Impakt-Schockwellenausbreitung zum Teil wohl explosionsartig entladen hat. Diese enormen Instabilitäten wirken bis heute nach, wenn regelmäßig ohne Vorankündigung der Boden als Donnerloch einbricht. Viele hundert, vielleicht tausend und mehr soll es bis heute in der Region gegeben haben.

Über die Umgebung des Tüttensees wird in diesem Zusammenhang berichtet, dass sie früher eine regelrechte Buckellandschaft gewesen sein soll, die im Laufe der Zeit von den Landwirten eingeebnet wurde. Das Phänomen der Donnerlöcher und explosionsartiger Kraterbildung „von unten“ auch in unmittelbarer Nähe des Tüttensee-Kraters wäre keine Überraschung. Der Krater auf dem Foto hat seine wahre Natur bisher nicht offenbart. Beim Kaltenbach-Krater mit 6 m Durchmesser ca. 2,5 km nördlich vom Tüttensee ist das anders. Hier ist der Impakt „von oben“ unübersehbar. Zum Schutz vor Zerstörung durch Gesteinssammlern ist seine Lage allerdings nur Eingeweihten bekannt

Spurensuche auf engerem Raum auch im Museum in der Schlossökonomie.  Viele Vitrinen mit z.T. weltweit einmaligen Ausstellungsstücken sowie großformatige Poster vermitteln ein Naturphänomen – meteoritischer Impakt, vom Menschen erlebt -, das gegenwärtig nirgendwo sonst auf der Welt in dieser Form präsentiert wird.

Es wird vermutlich nicht ausbleiben, dass Sie gelegentlich mit skeptischen, zweifelnden Stimmen konfrontiert werden. Das ist nur natürlich und in der Wissenschaft gang und gäbe; eigentlich ist es die Grundlage aller Wissenschaft. Und je spektakulärer ein neuer Befund in der Wissenschaft ist, desto größer ist in der Regel erst einmal die Ablehnung. Stellen Sie sich einmal die Bevölkerung im Nördlinger Ries in den sechziger Jahren vor, als man ihr sagt, sie würde in einem großen Meteoritenkrater leben. Ganz zu schweigen von der schroffen Ablehnung durch die dort arbeitenden Geologen.

Wissenschaft ist lebendig, und das hat auch die weitere Entwicklung im Nördlinger Ries bis hin zur Einrichtung des Rieskratermuseums gezeigt. Grabenstätt ist mit seiner Ausstellung schon ein wenig stolz darauf, dass hier eine Forschung gezeigt wird, die nicht nur Abgeschlossenes, Museales sondern lebendige Wissenschaft präsentiert.

(Quelle: Kord Ernstson)

Mehr zur Erforschung des Chiemgau-Impaktes erfahren Sie hier: www.chiemgau-impakt.de
Dort gibt es auch einen Link zu einem virtuellen Besuch des Museums.

 Das Museum zum Chiemgau-Impakt kann zu den Öffnungszeiten der Tourist-Information besichtigt werden. Für Gruppen auch auf Anfrage.

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